Schweizerischer Engadinerschaf Zuchtverein

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Züchtertag am 23. August

Thema: Parasitenkontrolle mit FAMACHA

Am 23. August 2020 haben wir uns auf dem Betrieb von unserem Kassier Thomas Hochstrasser und seiner Partnerin Susanne zum Züchtertag getroffen. Ariane Mae- schli (Tierärztin am FiBL) hat uns zuerst Grundlagen der Parasitologie vermittelt:

Wurmzyklen und Weidemanagement

Parasiten leben mit den Kleinwiederkäuern zusammen, sie sind nicht vermeidbar oder ausrottbar. Sie kommen auch bei Wildtieren vor. Normalerweise leben die Tiere im Gleichgewicht mit den Parasiten, solange sie gesund und kräftig sind und solange sie ein artgemässes Leben führen können.

Bei Schafen und Ziegen sind die häufigsten Parasiten verschiedene Rundwürmer (Nematoden), Bandwürmer und Lungenwürmer. Die meisten Würmer ernähren sich von Nährstoffen des Darminhalts – Abmagerung und/oder Durchfall sind die Folgen bei hohem Befall. Ein Spezialfall ist der Magenwurm Hämonchus contortus (=ge- drehter Magenwurm) sowie der braune Magenwurm Ostertagia. Es sind nämlich Blutsauger. 1000 Würmer saugen 50ml Blut pro Tag. Bei starkem Befall werden die Tiere schwach und matt. Magenwürmer (Nematoden) sind die häufigsten Würmer bei Schafen und Ziegen.

Zum Verstehen, wie man durch Weidemanagement hohe Verwurmungsraten ver- meidet, ist das Kennen vom Zyklus dieses Wurmes wichtig: Er scheidet seine Eier über den Kot der Wirtstiere aus. Aus diesen Eiern entwickeln sich auf der Weide in- nerhalb von drei Wochen drei Larvenstadien des Wurmes. Das dritte Larvensta- dium ist infektiös und zwar etwa drei Wochen lang. Die Larven befinden sich in Tautröpfchen im Gras und werden von den Schafen und Ziegen gefressen. Erst im Magen der Tiere entwickeln sich die Parasiten zum vierten Larvenstadium und dann zum Adulttier, also zum ausgewachsenen Wurm. Dieser produziert wiederum Eier, welche das Schaf oder die Ziege dann wieder mit dem Kot ausscheidet. Das dritte Larvenstadium kann auch längere Zeit im Gras überdauern, zum Teil kann es sogar überwintern. Im Schaf können die Würmer zeitweise in ein Ruhestadium übergehen. Dann gibt es einen Unterbruch bei der Eiausscheidung. (Das kann manchmal dazu führen, dass ein Tier zwar viele Würmer hat und man trotzdem in seiner Kotprobe keine oder nur wenige Eier findet.)

Vorbeugung

Aus all dem ergibt sich, dass die beste Vorbeugung gegen zu hohen Wurmbefall ein gutes Weidemanagement ist: das Beste ist das Weiterziehen, sodass die Schafe weggehen von den Wurmlarven im Gras. Die Tiere sollen nie länger als drei Wochen auf der gleichen Weide sein. Mindestens sechs Wochen lang darf die glei- che Weide nicht wieder mit Schafen oder Ziegen bestossen werden. Am besten ist es, die Fläche zwischendurch zu heuen oder zu silieren oder von einer anderen Tierart (Rinder/Pferde/Esel) beweiden zu lassen. Die infektiösen Wurmlarven befin- den sich meistens eher unten am Gras. Deshalb ist es wichtig, dass man die Schafe und Ziegen nicht zu tief fressen lässt.

Diagnostik

Das Hauptproblem für die Tiergesundheit ist der Blutverlust durch den Magenwurm. Die aufmerksame Beobachtung der Tiere ist sehr wichtig, damit man einen zu hohen Wurmbefall rechtzeitig merkt, denn die Schafe als wehrlose Fluchttiere verstecken ihre Krankheiten sehr lange. Zeigen sie deutliche Symptome (Abgeschlagenheit, Kraftlosigkeit), so geht es ihnen schon sehr schlecht. Der Famachatest ist eine sehr gute und einfache Methode, um die Befallsintesität beim einzelnen Tier zu bestimmen. Für den Test braucht man nur ein Kärtchen mit einer Farbskala. Diese Skala zeigt die verschiedenen Rosatöne der Bindehaut (unter den Augen) der Tiere. Je blasser die Farbe ist, desto dramatischer ist der Blutverlust. Ab etwa der Stufe 3 auf der Farbskala ist eine Behandlung des Tieres sinnvoll (http://www.thegoatchick.com/famacha-testing.html).

Kotuntersuchungen sind bei verdächtigen Einzeltieren (bei schwachen oder mage- ren Tieren oder bei Tieren, die husten) ebenfalls sinnvoll: man entnimmt die Kotpro- ben am besten frisch aus dem Enddarm. Mischproben sollte man regelmässig von der anfälligster Gruppe (Jungtiere) nehmen.

Die Proben muss man möglichst kühl halten und rasch abschicken an das Labor des BGK am FiBL. Die Diagnose über die Wurmeier gibt meistens einen guten Überblick über den Parasitenbefall; auch über jene Parasiten, die sich nicht vom Blut ernähren.

Entwurmungsstrategien

Entwurmungsmittel lösen oft und schnell die Entwicklung von Resistenzen bei den Parasiten aus, sodass sie bald nicht mehr so gut oder gar nicht mehr wirken. Des- halb ist ein sachgemässer Umgang mit diesen Medikamenten sehr wichtig:

  • Richtige Dosierung: lieber zu hoch, als zu tief dosieren. Unterdosierungen fördern die Resistenzbildung. Man orientiert sich beim Dosieren am schwersten Tier
  • Orale (ins Maul eingegebene) Präparate wirken besser und zuverlässiger als pour-on-Präparate oder Injektionen (Spritzen)
  • Wirkstoffe wechseln: Nicht immer dasselbe Wurmmittel verwenden
  • Nicht alle Tiere entwurmen, nur diejenigen, die es wirklich brauchen: prüfen mit dem Famacha-Test. (Ältere Tiere brauchen oft gar keine Entwurmung.) Eine 100%ige Entwurmung gibt es nicht. Bei jeder Entwurmung können einige Wür- mer Resistenzen entwickeln, und sie vererben diese Resistenzen. Überleben nur resistente Würmer, so kann sich eine resistente Wurmpopulation aufbauen. Wer- den einige Tiere nicht entwurmt (ca. 20% der Herde), so scheiden diese noch Wurmmittel-empfängliche Eier aus, so dass die resistenten nicht überhandnehmen. Während die blutsaugenden Würmer auf die gleichen Wurmmittel sensibel sind, sind bei einem Befall mit Bandwürmern, Leberegeln oder Kokzidien andere Mittel notwendig! Alternativen zum Entwurmen Die beste Alternative zum Entwurmen ist immer der häufige Weidewechsel! Auch tanninhaltige Pflanzen können helfen: Bei alleiniger Fütterung von z.B. Esparsette kann der Wurmbefall reduziert werden. Es ist aber eine hohe Dosierung nötig: Zur Prophylaxe braucht es die Zufütterung von 1.5kg Esparsettenheu pro Tier und Tag. Eine homöopathische Entwurmung gibt es nicht. Die Züchtung (Selektion) von ro- busteren, weniger anfälligen Tieren ist langfristig sinnvoll. Das praktische Üben Anschliessend an den Vortrag von Ariane haben wir den Famachatest an den Schafen von Thomas und Susanne geübt und bei zwei Tieren auch Kotproben ent- nommen. Die Untersuchungen zeigten bei dem Tier mit der helleren Bindehaut- farbe eine geringere (!) Eiausscheidung. Deshalb ist das Ergebnis des Famacha- tests wichtig, da die Eiausscheidung manchmal nicht die Stärke des Befalls wieder- gibt. Cornelia Eugster berichtete, dass sie seit langem regelmässig den Famacha- test bei ihren Schafen mache und aufgrund von diesem dann entscheide, ob ein Tier entwurmt werden soll oder nicht. Kotproben lässt sie fast nie mehr untersu- chen. Sie kann mit dieser Methode den Parasitenbefall in ihrer Herde sehr gut im Griff halten.

Nach dem vielen lehrreichen Zuhören und Üben kamen aber auch das gesellige Zusammensein und das feine Essen und Trinken nicht zu kurz. Danke an Thomas und Susanne für die Gastfreundschaft auf ihrem idyllischen Hof.

Für den Bericht: Anet Spengler Neff

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